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September 2025
Jugendliche: Exzessives Gaming verschlechtert psychische Gesundheit
Binge Gaming, definiert als das Spielen von Videospielen für mehr als 5 Stunden am Stück, tritt bei fast einem Drittel der Schüler in Hongkong auf und steht bei beiden Geschlechtern mit psychosozialen Belastungen in Zusammenhang. Das berichtet eine chinesische Arbeitsgruppe im Fachmagazin Plos One (2025; DOI: 10.1371/journal.pone.0327365).
Das Forschungsteam befragte 1 404 Jungen und 1 188 Mädchen im Schulalter in Hongkong. Das Durchschnittsalter in der Kohorte betrug 11,89 Jahre. Internetspielsucht, Depression, Angst, Stress, Einsamkeit, soziale Unterstützung, Schlafqualität und schulische Selbstwirksamkeit wurden laut der Arbeitsgruppe mithilfe validierter Selbstbeurteilungsskalen gemessen. 30 % der Befragten gaben an, im letzten Monat mindestens eine Episode von Binge Gaming gehabt zu haben, wobei dies bei Jungen 38,3 % und bei Mädchen 24,0 % waren. Bei Jungen zeigten Binge Gamer eine stärkere Internetspielsucht, Depression, Angst und Stress, eine schlechtere Schlafqualität und eine geringere schulische Selbstwirksamkeit als Nicht-Binge-Gamer.
Bei Mädchen zeigten sich ebenfalls höhere Werte für Internetspielsucht, Depression, Angst und Stress sowie schlechtere Schlafqualität und schulische Selbstwirksamkeit bei Binge Gamerinnen im Vergleich zu Nicht-Binge-Gamerinnen. Außerdem war Binge Gaming bei Mädchen mit höherer Einsamkeit sowie mit geringerer sozialer Unterstützung verbunden. Auch hier schnitten Nicht-Gamerinnen in nahezu allen psychosozialen Parametern signifikant besser ab als Binge Gamerinnen.
„Binge Gaming kann als Verhaltensindikator und Risikofaktor für verschiedene soziale, schulische und gesundheitliche Probleme wirken – präventive Maßnahmen sind geboten“, schreibt das Forschungsteam. Beispielsweise könnten regelmäßige Gaming-Pausen und die Begrenzung längerer Spielsitzungen dazu beitragen, Binge Gaming zu verhindern und die negativen Folgen zu mildern, schlagen die Wissenschaftler vor. hil
Quelle: www.aerzteblatt.de
Jugendliche: Exzessives Gaming verschlechtert psychische Gesundheit
Binge Gaming, definiert als das Spielen von Videospielen für mehr als 5 Stunden am Stück, tritt bei fast einem Drittel der Schüler in Hongkong auf und steht bei beiden Geschlechtern mit psychosozialen Belastungen in Zusammenhang. Das berichtet eine chinesische Arbeitsgruppe im Fachmagazin Plos One (2025; DOI: 10.1371/journal.pone.0327365).
Das Forschungsteam befragte 1 404 Jungen und 1 188 Mädchen im Schulalter in Hongkong. Das Durchschnittsalter in der Kohorte betrug 11,89 Jahre. Internetspielsucht, Depression, Angst, Stress, Einsamkeit, soziale Unterstützung, Schlafqualität und schulische Selbstwirksamkeit wurden laut der Arbeitsgruppe mithilfe validierter Selbstbeurteilungsskalen gemessen. 30 % der Befragten gaben an, im letzten Monat mindestens eine Episode von Binge Gaming gehabt zu haben, wobei dies bei Jungen 38,3 % und bei Mädchen 24,0 % waren. Bei Jungen zeigten Binge Gamer eine stärkere Internetspielsucht, Depression, Angst und Stress, eine schlechtere Schlafqualität und eine geringere schulische Selbstwirksamkeit als Nicht-Binge-Gamer.
Bei Mädchen zeigten sich ebenfalls höhere Werte für Internetspielsucht, Depression, Angst und Stress sowie schlechtere Schlafqualität und schulische Selbstwirksamkeit bei Binge Gamerinnen im Vergleich zu Nicht-Binge-Gamerinnen. Außerdem war Binge Gaming bei Mädchen mit höherer Einsamkeit sowie mit geringerer sozialer Unterstützung verbunden. Auch hier schnitten Nicht-Gamerinnen in nahezu allen psychosozialen Parametern signifikant besser ab als Binge Gamerinnen.
„Binge Gaming kann als Verhaltensindikator und Risikofaktor für verschiedene soziale, schulische und gesundheitliche Probleme wirken – präventive Maßnahmen sind geboten“, schreibt das Forschungsteam. Beispielsweise könnten regelmäßige Gaming-Pausen und die Begrenzung längerer Spielsitzungen dazu beitragen, Binge Gaming zu verhindern und die negativen Folgen zu mildern, schlagen die Wissenschaftler vor. hil
Quelle: www.aerzteblatt.de
September 2025
Digitalisierung: Psychisch kranke Jugendliche verbringen mehr Zeit auf sozialen Medien
Jugendliche mit psychischen Störungen verbringen im Vergleich zu psychisch gesunden Altersgenossen mehr Zeit auf sozialen Medien. Zudem zeigen sie häufiger eine problematische Nutzung dieser Plattformen. Zu diesem Ergebnis kommt ein britisches Forschungsteam, das Daten des nationalen Gesundheitsdienstes ausgewertet hat. Die Ergebnisse sind im Fachjournal Nature Human Behaviour erschienen (2025; DOI: 10.1038/s41562–025–02134–4).
Das Forschungsteam analysierte die Daten von 3 340 11- bis 19-Jährigen aus der Studie „Mental Health of Children and Young People (MHCYP)“. Bei dieser Studie handelt es sich um eine Querschnittserhebung des britischen Gesundheitsdienstes (NHS) aus dem Jahr 2017.
Im Rahmen der MHCYP-Umfrage füllten Jugendliche und deren Eltern diverse Fragebögen zur psychischen Gesundheit aus. Kliniker erfassten zusätzlich, ob eine klinisch relevante Diagnose vorlag. Diese Diagnosen wurden entweder als externalisierende oder internalisierende Störung kategorisiert.
Die Wissenschaftler erfassten auch, wie die Jugendlichen die sozialen Medien nutzten. Neben der Nutzungszeit gaben die Jugendliche zum Beispiel an, inwieweit sie sich auf sozialen Medien mit anderen vergleichen, ob sie denken, dass sie die Kontrolle über ihre Nutzungszeit verlieren und wie zufrieden sie mit ihren Onlinefreundschaften sind. Es zeigte sich, dass Jugendliche mit klinisch relevanten psychischen Problemen mehr Zeit auf sozialen Medien verbringen. Bei Jugendlichen mit internalisierenden Störungen ist dieser Effekt größer als bei Jugendlichen mit externalisierenden Störungen. Zudem sind Jugendliche mit internalisierenden Störungen häufiger unglücklich über die Anzahl ihrer Freunde, sie vergleichen sich mehr mit anderen und teilen weniger persönliche Informationen.
„Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die unterschiedlichen psychischen Gesundheitsprofile von Jugendlichen in Politik und klinischer Praxis zu berücksichtigen“, schreiben die Forscher. Die externe Expertin Anne Kaman, stellvertretende Leiterin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Forschungssektion Child Public Health, vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, lobt Aspekte der Untersuchung. „Besonders hervorzuheben ist der Befund, dass qualitative Nutzungsmuster – etwa intensiver sozialer Vergleich und emotionale Reaktion auf Onlinefeedback – eine größere Bedeutung für die psychische Gesundheit haben als die reine Nutzungsdauer“, erläutert sie. Jugendliche mit internalisierenden Störungen wie Depressionen oder Angststörungen zeigten hingegen häufiger belastende Nutzungsmuster. „Diese differenzierte Betrachtung klinischer Subgruppen erweitert den bisherigen Forschungsstand“, erklärte sie. Allerdings seien die Daten aus dem Jahr 2017, stammten also aus einer Zeit vor der COVID-19-Pandemie und dem Aufstieg neuer Plattformen wie TikTok, was die Übertragbarkeit auf die heutige Situation einschränke. „Zudem erlaubt das querschnittliche Studiendesign keine Rückschlüsse auf Kausalität“, so Kaman. Dies betont auch der externe Experte Marcel Romanos, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Würzburg. „Um Kausalität zu belegen, wären längsschnittliche und interventionelle Studien erforderlich“, sagte er. hil
Quelle: www.aerzteblatt.de
Digitalisierung: Psychisch kranke Jugendliche verbringen mehr Zeit auf sozialen Medien
Jugendliche mit psychischen Störungen verbringen im Vergleich zu psychisch gesunden Altersgenossen mehr Zeit auf sozialen Medien. Zudem zeigen sie häufiger eine problematische Nutzung dieser Plattformen. Zu diesem Ergebnis kommt ein britisches Forschungsteam, das Daten des nationalen Gesundheitsdienstes ausgewertet hat. Die Ergebnisse sind im Fachjournal Nature Human Behaviour erschienen (2025; DOI: 10.1038/s41562–025–02134–4).
Das Forschungsteam analysierte die Daten von 3 340 11- bis 19-Jährigen aus der Studie „Mental Health of Children and Young People (MHCYP)“. Bei dieser Studie handelt es sich um eine Querschnittserhebung des britischen Gesundheitsdienstes (NHS) aus dem Jahr 2017.
Im Rahmen der MHCYP-Umfrage füllten Jugendliche und deren Eltern diverse Fragebögen zur psychischen Gesundheit aus. Kliniker erfassten zusätzlich, ob eine klinisch relevante Diagnose vorlag. Diese Diagnosen wurden entweder als externalisierende oder internalisierende Störung kategorisiert.
Die Wissenschaftler erfassten auch, wie die Jugendlichen die sozialen Medien nutzten. Neben der Nutzungszeit gaben die Jugendliche zum Beispiel an, inwieweit sie sich auf sozialen Medien mit anderen vergleichen, ob sie denken, dass sie die Kontrolle über ihre Nutzungszeit verlieren und wie zufrieden sie mit ihren Onlinefreundschaften sind. Es zeigte sich, dass Jugendliche mit klinisch relevanten psychischen Problemen mehr Zeit auf sozialen Medien verbringen. Bei Jugendlichen mit internalisierenden Störungen ist dieser Effekt größer als bei Jugendlichen mit externalisierenden Störungen. Zudem sind Jugendliche mit internalisierenden Störungen häufiger unglücklich über die Anzahl ihrer Freunde, sie vergleichen sich mehr mit anderen und teilen weniger persönliche Informationen.
„Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die unterschiedlichen psychischen Gesundheitsprofile von Jugendlichen in Politik und klinischer Praxis zu berücksichtigen“, schreiben die Forscher. Die externe Expertin Anne Kaman, stellvertretende Leiterin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Forschungssektion Child Public Health, vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, lobt Aspekte der Untersuchung. „Besonders hervorzuheben ist der Befund, dass qualitative Nutzungsmuster – etwa intensiver sozialer Vergleich und emotionale Reaktion auf Onlinefeedback – eine größere Bedeutung für die psychische Gesundheit haben als die reine Nutzungsdauer“, erläutert sie. Jugendliche mit internalisierenden Störungen wie Depressionen oder Angststörungen zeigten hingegen häufiger belastende Nutzungsmuster. „Diese differenzierte Betrachtung klinischer Subgruppen erweitert den bisherigen Forschungsstand“, erklärte sie. Allerdings seien die Daten aus dem Jahr 2017, stammten also aus einer Zeit vor der COVID-19-Pandemie und dem Aufstieg neuer Plattformen wie TikTok, was die Übertragbarkeit auf die heutige Situation einschränke. „Zudem erlaubt das querschnittliche Studiendesign keine Rückschlüsse auf Kausalität“, so Kaman. Dies betont auch der externe Experte Marcel Romanos, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Würzburg. „Um Kausalität zu belegen, wären längsschnittliche und interventionelle Studien erforderlich“, sagte er. hil
Quelle: www.aerzteblatt.de
Juni 2025
Freundschaft: Die innere Kraft von Freundschaft
In einer guten Freundschaft geht es um aufrichtige wohlwollende Rückmeldungen, die die persönliche Entwicklung fördern. Reife Freundschaft erfordert Toleranz und moralische Reflexion – ein Raum für die persönliche Weiterentwicklung.
Eine Freundschaft beschreibt die Verbundenheit zwischen mindestens zwei Personen, in der man Aspekte des Lebens miteinander teilt. Welche Tugenden eine Freundschaft verträgt oder braucht, sind zentrale Fragen, die die Philosophie sowie Sozialpsychologie seit der Antike versuchen zu beantworten.
Aristoteles beschäftigte sich mit Freundschaft (philia) als eine Art der tiefgreifenden Verbundenheit zwischen Menschen, weil er sie als einen festen Bestandteil des glücklichen Lebens betrachtete. Der Mensch ist ein „Wesen (…), das von Natur aus auf das Zusammenleben angelegt ist“, und „es ist gewiss besser, die Zeit mit Freunden und mit Guten zu verbringen als mit Fremden und Beliebigen“ (1). Auch sind soziale Beziehungen wie Freundschaften eine wichtige Voraussetzung für Zufriedenheit, Wohlbefinden, Sicherheit und persönliches Wachstum. Sie erfüllen nicht nur archaische Bedürfnisse, sondern sind die Quelle der Unterstützung, der Anregung für neue Perspektiven sowie der Ermutigung in belastenden Situationen. Immanuel Kant betrachtet in seinem Werk „Metaphysik der Sitten“ Freundschaft in einem Spannungsfeld von Respekt und Liebe. Wenn eine emotionale Zuneigung (die Liebe) nicht machtbesessen ist und auf Respekt und Tugend beruht, lässt sich von einer „Freundschaft der Moral“ sprechen. Carl Gustav Jung betrachtete emotionale Zuneigung und Liebe als Gegenpol der Macht. Wenn Liebe und Zuneigung im Mittelpunkt des Bewusstseins und Handelns stehen, drängen sie den Wunsch nach Macht in den Schatten. Wenn andererseits Machtstreben und Dominanz das Zentrum und die Grundlage der Beziehung bilden, überschatten sie die Kraft der Liebe und Zuneigung (2).
Aristoteles unterscheidet zwischen drei Arten der Freundschaft: Freundschaft des Nutzens, Freundschaft des Vergnügens sowie die Charakterfreundschaft, die auf Tugend basiert (1). In den ersten beiden Arten betrachtet er Freundschaft als Mittel zum Zweck des Nutzens und Lustgewinns. In Freundschaften, die nur auf Nutzen oder Lust beruhen, steht der eigene Vorteil im Zentrum und die Beziehung endet, wenn gewisse Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden können. Während die Freundschaft der Lust und die des Nutzens begrenzt sind, wird die tugendhafte Freundschaft als die wahre Freundschaft betrachtet, da die andere Person selbst Gegenstand dieser Freundschaft ist und nicht als situatives Mittel für eigene Zwecke betrachtet wird. Die vollkommene und tugendhafte Freundschaft trägt das Wesen des Willens und der Selbstzweckhaftigkeit in sich. Das bedeutet aber nicht, dass Lustgewinn und Nutzen in einer tugendhaften Freundschaft fehlen. Aus dieser Perspektive betrachtet Aristoteles das Siegel Freundschaft als eine Art der Förderung intellektueller, geistiger und moralischer Tugenden. Wenn sich eine Freundschaft auf das Wohlwollen und Wohlergehen des anderen konzentriert und nicht ausschließlich Eigennutz im Mittelpunkt steht, führt dies zu einer reifen und gesunden Distanz.
Freundschaften gewinnen an BedeutungIn einer beschleunigten Lebensrealität achten wir vielleicht zu wenig auf Sinneswahrnehmungen. Vielmehr erscheint es zunehmend leichter, eine emotionale Beziehung zu beenden und wiederum eine neue eingehen zu können. Aufgrund zunehmender Migration sowie mangelnder Konzentration familiärer Beziehungen in einer Region gewinnen soziale Beziehungen, insbesondere Freundschaften, eine zentrale Bedeutung. Soziale Netzwerke aufzubauen ist daher unvermeidbar und führt gleichzeitig zu der Herausforderung, langfristige Freundschaften in verschiedenen Lebensphasen, vor allem in der zweiten Lebenshälfte, zu führen und zu pflegen. Eine greifbare und reale Freundschaft – nicht jedoch eine digitale – schenkt Entwicklung, Selbstreflexion, -entdeckung und -erkenntnis.
„Freundschaften sind nicht nur Begegnungen, sondern Katalysatoren für persönliches Wachstum sowie für die Entfaltung von Ressourcen.“Freundschaften sind nicht nur Begegnungen, sondern auch Katalysatoren für persönliches Wachstum sowie für die Entfaltung individueller Fähigkeiten und Ressourcen. Sie können zudem eine Quelle der Kreativität sein und zur gegenseitigen Förderung beitragen. Aus diesem Grund sind die wertvollen Eigenschaften einer Freundschaft auch innerhalb familiärer Beziehungen von großem Nutzen und können diese bereichern. In patriarchalischen oder traditionellen Familienstrukturen, in denen das Zusammenleben oft als Pflicht verstanden wird, kann eine freundschaftliche Lebensweise eine neue Perspektive eröffnen. Sie ermöglicht es, Unterschiede zu akzeptieren und zu tolerieren, anstatt sie als Hindernis zu betrachten. Während familiäre Strukturen häufig als autoritäre Vorgaben empfunden werden, bietet eine freundschaftlich geprägte Beziehung die Möglichkeit, bestehende Werte und Traditionen kritisch zu hinterfragen, anzupassen oder sich – falls notwendig – von erzwungenen Normen zu lösen. Dadurch kann die familiäre Bindung verbessert werden. Ein respektvoller, freundschaftlicher Umgang kann die Qualität der Beziehungen innerhalb der Familie verbessern, ohne bestehende Strukturen zu degradieren oder zu zerstören.
Freundschaften unterscheiden sich von kollegialen und politischen Beziehungen insofern, dass sie nicht durch gemeinsame Inhalte oder Werte definiert sind. Freundschaften ermöglichen kritische Rückmeldung, die hilft, den eigenen Standpunkt zu reflektieren und neue Perspektiven zu entwickeln. Vertrauen, Ehrlichkeit sowie Verlässlichkeit bilden die Grundlage von Freundschaft.
In einer Freundschaft muss nicht erwartet werden, dass jede Aussage und Sichtweise des Freundes oder der Freundin bejaht wird. Vielmehr sind reflektierte und wohlwollende Rückmeldungen von Freunden notwendig, um uns zum Neuen zu begeben. Der amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson erwähnte in diesem Zusammenhang: „Lieb sind uns diejenigen, die uns lieben, aber lieber sind uns jene, die uns zurückweisen, denn sie erweitern unser Leben und drängen uns zum Neuen und Unversuchten“ (4). Dabei rücken weitere Begriffe wie Aufrichtigkeit, Wohlwollen, Wahrheit, Loyalität und Haltung ins Zentrum.
Hannah Arendt vertritt die Auffassung, dass sich Menschen in der eigenen Gedankenwelt bewegen (4). Deshalb sind für Selbstentfaltung und Selbstbildung Freundschaften notwendig, die uns nicht nur etwas Schönes sagen, sondern etwas widerspiegeln. Sonst bleiben wir entfremdet und hätten keine Möglichkeit, uns näher kennenzulernen. Denn die Person, die uns am Nächsten fremd und unbekannt bleibt, ist letztlich man selbst. Deshalb sind freundschaftliche Beziehungen unter anderem auch ein sicherer Ort für „Offenheit, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit“.
Ein weiterer Aspekt der Freundschaft steht in einer balancierten Versorgung um Autarkie. Wenn Freundschaften auf Dauer auf Asymmetrie in der Bedürftigkeit ausgerichtet sind, stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen beziehungsweise bewussten oder unbewussten Motiven diese zustande gekommen sind. Gleichzeitig ist von Bedeutung, wie diese Asymmetrie verankert ist, um die dominante Last oder Sorge zu verkraften.
Wohlwollende RückmeldungenDie Akzeptanz von Unterschieden und Meinungsverschiedenheiten in einer Freundschaft ist nicht gleichbedeutend mit bedingungsloser Toleranz. Herausforderungen und Spannungen in der Freundschaft können eine konstruktive Atmosphäre schaffen, in der Kommunikation und Offenheit gefördert werden. Es kann zu positiven Veränderungen in der Freundschaft führen. In einer guten Freundschaft geht es um aufrichtige wohlwollende Rückmeldungen, die die persönliche Entwicklung fördern. Einseitige Bedürftigkeit oder starke Meinungsverschiedenheiten können Freundschaften belasten. Reife Freundschaft erfordert Toleranz und moralische Reflexion. Das ist ein wertvoller Raum für persönliche Weiterentwicklung.
Quelle: www.aerzteblatt.de
Freundschaft: Die innere Kraft von Freundschaft
In einer guten Freundschaft geht es um aufrichtige wohlwollende Rückmeldungen, die die persönliche Entwicklung fördern. Reife Freundschaft erfordert Toleranz und moralische Reflexion – ein Raum für die persönliche Weiterentwicklung.
Eine Freundschaft beschreibt die Verbundenheit zwischen mindestens zwei Personen, in der man Aspekte des Lebens miteinander teilt. Welche Tugenden eine Freundschaft verträgt oder braucht, sind zentrale Fragen, die die Philosophie sowie Sozialpsychologie seit der Antike versuchen zu beantworten.
Aristoteles beschäftigte sich mit Freundschaft (philia) als eine Art der tiefgreifenden Verbundenheit zwischen Menschen, weil er sie als einen festen Bestandteil des glücklichen Lebens betrachtete. Der Mensch ist ein „Wesen (…), das von Natur aus auf das Zusammenleben angelegt ist“, und „es ist gewiss besser, die Zeit mit Freunden und mit Guten zu verbringen als mit Fremden und Beliebigen“ (1). Auch sind soziale Beziehungen wie Freundschaften eine wichtige Voraussetzung für Zufriedenheit, Wohlbefinden, Sicherheit und persönliches Wachstum. Sie erfüllen nicht nur archaische Bedürfnisse, sondern sind die Quelle der Unterstützung, der Anregung für neue Perspektiven sowie der Ermutigung in belastenden Situationen. Immanuel Kant betrachtet in seinem Werk „Metaphysik der Sitten“ Freundschaft in einem Spannungsfeld von Respekt und Liebe. Wenn eine emotionale Zuneigung (die Liebe) nicht machtbesessen ist und auf Respekt und Tugend beruht, lässt sich von einer „Freundschaft der Moral“ sprechen. Carl Gustav Jung betrachtete emotionale Zuneigung und Liebe als Gegenpol der Macht. Wenn Liebe und Zuneigung im Mittelpunkt des Bewusstseins und Handelns stehen, drängen sie den Wunsch nach Macht in den Schatten. Wenn andererseits Machtstreben und Dominanz das Zentrum und die Grundlage der Beziehung bilden, überschatten sie die Kraft der Liebe und Zuneigung (2).
Aristoteles unterscheidet zwischen drei Arten der Freundschaft: Freundschaft des Nutzens, Freundschaft des Vergnügens sowie die Charakterfreundschaft, die auf Tugend basiert (1). In den ersten beiden Arten betrachtet er Freundschaft als Mittel zum Zweck des Nutzens und Lustgewinns. In Freundschaften, die nur auf Nutzen oder Lust beruhen, steht der eigene Vorteil im Zentrum und die Beziehung endet, wenn gewisse Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden können. Während die Freundschaft der Lust und die des Nutzens begrenzt sind, wird die tugendhafte Freundschaft als die wahre Freundschaft betrachtet, da die andere Person selbst Gegenstand dieser Freundschaft ist und nicht als situatives Mittel für eigene Zwecke betrachtet wird. Die vollkommene und tugendhafte Freundschaft trägt das Wesen des Willens und der Selbstzweckhaftigkeit in sich. Das bedeutet aber nicht, dass Lustgewinn und Nutzen in einer tugendhaften Freundschaft fehlen. Aus dieser Perspektive betrachtet Aristoteles das Siegel Freundschaft als eine Art der Förderung intellektueller, geistiger und moralischer Tugenden. Wenn sich eine Freundschaft auf das Wohlwollen und Wohlergehen des anderen konzentriert und nicht ausschließlich Eigennutz im Mittelpunkt steht, führt dies zu einer reifen und gesunden Distanz.
Freundschaften gewinnen an BedeutungIn einer beschleunigten Lebensrealität achten wir vielleicht zu wenig auf Sinneswahrnehmungen. Vielmehr erscheint es zunehmend leichter, eine emotionale Beziehung zu beenden und wiederum eine neue eingehen zu können. Aufgrund zunehmender Migration sowie mangelnder Konzentration familiärer Beziehungen in einer Region gewinnen soziale Beziehungen, insbesondere Freundschaften, eine zentrale Bedeutung. Soziale Netzwerke aufzubauen ist daher unvermeidbar und führt gleichzeitig zu der Herausforderung, langfristige Freundschaften in verschiedenen Lebensphasen, vor allem in der zweiten Lebenshälfte, zu führen und zu pflegen. Eine greifbare und reale Freundschaft – nicht jedoch eine digitale – schenkt Entwicklung, Selbstreflexion, -entdeckung und -erkenntnis.
„Freundschaften sind nicht nur Begegnungen, sondern Katalysatoren für persönliches Wachstum sowie für die Entfaltung von Ressourcen.“Freundschaften sind nicht nur Begegnungen, sondern auch Katalysatoren für persönliches Wachstum sowie für die Entfaltung individueller Fähigkeiten und Ressourcen. Sie können zudem eine Quelle der Kreativität sein und zur gegenseitigen Förderung beitragen. Aus diesem Grund sind die wertvollen Eigenschaften einer Freundschaft auch innerhalb familiärer Beziehungen von großem Nutzen und können diese bereichern. In patriarchalischen oder traditionellen Familienstrukturen, in denen das Zusammenleben oft als Pflicht verstanden wird, kann eine freundschaftliche Lebensweise eine neue Perspektive eröffnen. Sie ermöglicht es, Unterschiede zu akzeptieren und zu tolerieren, anstatt sie als Hindernis zu betrachten. Während familiäre Strukturen häufig als autoritäre Vorgaben empfunden werden, bietet eine freundschaftlich geprägte Beziehung die Möglichkeit, bestehende Werte und Traditionen kritisch zu hinterfragen, anzupassen oder sich – falls notwendig – von erzwungenen Normen zu lösen. Dadurch kann die familiäre Bindung verbessert werden. Ein respektvoller, freundschaftlicher Umgang kann die Qualität der Beziehungen innerhalb der Familie verbessern, ohne bestehende Strukturen zu degradieren oder zu zerstören.
Freundschaften unterscheiden sich von kollegialen und politischen Beziehungen insofern, dass sie nicht durch gemeinsame Inhalte oder Werte definiert sind. Freundschaften ermöglichen kritische Rückmeldung, die hilft, den eigenen Standpunkt zu reflektieren und neue Perspektiven zu entwickeln. Vertrauen, Ehrlichkeit sowie Verlässlichkeit bilden die Grundlage von Freundschaft.
In einer Freundschaft muss nicht erwartet werden, dass jede Aussage und Sichtweise des Freundes oder der Freundin bejaht wird. Vielmehr sind reflektierte und wohlwollende Rückmeldungen von Freunden notwendig, um uns zum Neuen zu begeben. Der amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson erwähnte in diesem Zusammenhang: „Lieb sind uns diejenigen, die uns lieben, aber lieber sind uns jene, die uns zurückweisen, denn sie erweitern unser Leben und drängen uns zum Neuen und Unversuchten“ (4). Dabei rücken weitere Begriffe wie Aufrichtigkeit, Wohlwollen, Wahrheit, Loyalität und Haltung ins Zentrum.
Hannah Arendt vertritt die Auffassung, dass sich Menschen in der eigenen Gedankenwelt bewegen (4). Deshalb sind für Selbstentfaltung und Selbstbildung Freundschaften notwendig, die uns nicht nur etwas Schönes sagen, sondern etwas widerspiegeln. Sonst bleiben wir entfremdet und hätten keine Möglichkeit, uns näher kennenzulernen. Denn die Person, die uns am Nächsten fremd und unbekannt bleibt, ist letztlich man selbst. Deshalb sind freundschaftliche Beziehungen unter anderem auch ein sicherer Ort für „Offenheit, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit“.
Ein weiterer Aspekt der Freundschaft steht in einer balancierten Versorgung um Autarkie. Wenn Freundschaften auf Dauer auf Asymmetrie in der Bedürftigkeit ausgerichtet sind, stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen beziehungsweise bewussten oder unbewussten Motiven diese zustande gekommen sind. Gleichzeitig ist von Bedeutung, wie diese Asymmetrie verankert ist, um die dominante Last oder Sorge zu verkraften.
Wohlwollende RückmeldungenDie Akzeptanz von Unterschieden und Meinungsverschiedenheiten in einer Freundschaft ist nicht gleichbedeutend mit bedingungsloser Toleranz. Herausforderungen und Spannungen in der Freundschaft können eine konstruktive Atmosphäre schaffen, in der Kommunikation und Offenheit gefördert werden. Es kann zu positiven Veränderungen in der Freundschaft führen. In einer guten Freundschaft geht es um aufrichtige wohlwollende Rückmeldungen, die die persönliche Entwicklung fördern. Einseitige Bedürftigkeit oder starke Meinungsverschiedenheiten können Freundschaften belasten. Reife Freundschaft erfordert Toleranz und moralische Reflexion. Das ist ein wertvoller Raum für persönliche Weiterentwicklung.
Quelle: www.aerzteblatt.de
Juni 2025
Arbeitsplatz: Viele Beschäftigte erleben sexuelle Belästigung
Rund 20 Prozent der Beschäftigten haben einer Befragung zufolge selbst oder in ihrem Arbeitsumfeld sexuelle Belästigung erlebt. Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Analyse des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Der Anteil der betroffenen Frauen war demnach mit 24 Prozent deutlich höher als der der Männer mit 15 Prozent.
Der Großteil waren dabei Fälle unter den Beschäftigten. Darauf folgten Fälle, in denen die sexuelle Belästigung von Externen wie Kunden oder Patienten ausging. In einem Prozent der Fälle war eine Führungskraft involviert. Der Großteil der befragten Betriebe mit mindestens einem Fall von sexueller Belästigung berichtete der Studie zufolge von negativen Folgen vor allem für Arbeitsmoral und Produktivität. Aber auch Abwesenheitszeiten und Personalfluktuation nahmen zu.
Die Studie ergab auch, dass die Wahrscheinlichkeit für Männer, sexuelle Belästigung selbst oder im Arbeitsumfeld zu erleben, stärker vom Wirtschaftszweig abhängt als bei Frauen: Im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in geringerem Maße in der öffentlichen Verwaltung, Erziehung und im Unterricht berichteten diese deutlich häufiger davon als in anderen Branchen.
Quelle: www.aerzteblatt.de
Arbeitsplatz: Viele Beschäftigte erleben sexuelle Belästigung
Rund 20 Prozent der Beschäftigten haben einer Befragung zufolge selbst oder in ihrem Arbeitsumfeld sexuelle Belästigung erlebt. Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Analyse des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Der Anteil der betroffenen Frauen war demnach mit 24 Prozent deutlich höher als der der Männer mit 15 Prozent.
Der Großteil waren dabei Fälle unter den Beschäftigten. Darauf folgten Fälle, in denen die sexuelle Belästigung von Externen wie Kunden oder Patienten ausging. In einem Prozent der Fälle war eine Führungskraft involviert. Der Großteil der befragten Betriebe mit mindestens einem Fall von sexueller Belästigung berichtete der Studie zufolge von negativen Folgen vor allem für Arbeitsmoral und Produktivität. Aber auch Abwesenheitszeiten und Personalfluktuation nahmen zu.
Die Studie ergab auch, dass die Wahrscheinlichkeit für Männer, sexuelle Belästigung selbst oder im Arbeitsumfeld zu erleben, stärker vom Wirtschaftszweig abhängt als bei Frauen: Im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in geringerem Maße in der öffentlichen Verwaltung, Erziehung und im Unterricht berichteten diese deutlich häufiger davon als in anderen Branchen.
Quelle: www.aerzteblatt.de